Tipps


 

Ich möchte an dieser Stelle einige Tipps geben, die ich selber von Ärzten und Mitpatienten bekommen habe bzw. die ich selber für mich gefunden habe.

 

  • Vor Beginn einer Chemotherapie sollte bei bestehendem Kinderwunsch eine Kryokonservierung vorgenommen werden. Hierbei wird Sperma eingefroren, sodass bei einer durch die Chemotherapie bedingten Unfruchtbarkeit, immer noch eine künstliche Befruchtung vorgenommen werden kann. Eine Kryokonservierung kann bspw. in Kinderwunschzentren vorgenommen werden.
  • Hodenkrebs ist eine insgesamt betrachtet relativ seltene Erkrankung. Entsprechend fehlt vielen Kliniken und Urologen die Erfahrung mit solchen Fällen umzugehen. Entweder sucht ihr euch eine Klinik mit viel Erfahrung in diesem Bereich oder ihr nutzt das Programm Zweitmeinung.
  • Als Krebspatient kann man einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Je nach Tumorart und Stadium wird dann der Grad der Behinderung festgesetzt. Dieser ist meist auf ein paar Jahre beschränkt. Je nach Grad der Behinderung (kurz GdB) bekommt man unterschiedliche Vorteile bzw. Vergünstigungen. Mein Ausweis wurde auf 5 Jahre begrenzt und mit einem GdB von 80 festgesetzt. Meist geht es schneller, wenn der Ausweis über den Sozialdienst des Krankenhauses beantragt wird.
  • Nach einer Chemotherapie ist es sehr sinnvoll eine Reha oder Anschlussheilbehandlung (kurz AHB) zu machen. Auch hier ist der Sozialdienst des Krankenhauses der richtige Ansprechpartner. Man sollte sich gut überlegen, wo man diese Maßnahme machen lassen will. In meiner ersten AHB war ich in einer urologischen Rehaklinik. Die Klinik an sich war super, allerdings liegt der Altersdurchschnitt von urologischen Patienten meist recht hoch. Ich war mit Abstand der jüngste in der Rehaklinik... der Altersdurchschnitt lag ungefähr bei 50 Jahren. Meine zweite AHB habe ich in einer onkologischen Klinik gemacht, die ein spezielles Programm für junge Erwachsene angeboten hat.
  • Während der Chemotherapie und auch in den Tagen danach ist es sehr wichtig, viel zu trinken. Dadurch wird der Körper durchgespült (die Nieren werden es danken) und das Gift aus dem Körper transportiert.
  • Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Bewegung tut gut! Ich habe mich während der Chemo und auch in den Tagen zu Hause immer bewegt. Im Krankenhaus bin ich den Gang auf und ab gedackelt, zu Hause habe ich dann Spaziergänge gemacht und ein bisschen Nordic Walking betrieben. Wenn man sich fit hält, steckt man die Chemotherapie besser weg!
  • Ich konnte nach ein paar Wochen das Krankenhausabendessen einfach nicht mehr sehen. Ich habe mir einfach von meinem Besuch 5 Minuten Terrinen und ähnliches Mitbringen lassen... oder auch mal irgendwas anderes auf das ich gerade Appetit hatte. Man sollte sich auf keinen Fall irgendwas reinquälen, worauf man eigentlich gar keine Lust hat. Die Krankenhäuser in denen ich in Behandlung war hatten alle eine Patientenküche (mit Wasserkocher und Mikrowelle) und sogar einen Kühlschrank! Esst also möglichst das, worauf ihr Lust habt. Es ist unter Umständen auch sinnvoll ein Nahrungsmitteltagebuch zu führen. In diesem könnt ihr aufschreiben, was ihr gut vertragen und was ihr gar nicht gut vertragen habt. Hier ist auch jeder anders. Während ich bspw. gar keine Getränke mit Kohlensäure während der Chemotherapie vertragen habe, hat ein Mitpatient die ganze Zeit über Cola getrunken.
  • Ihr solltet immer eine Kleinigkeit essen, auch wenn euch flau im Magen ist! Und wenn es nur Zwieback oder Salzstangen sind. Etwas im Magen zu haben ist meist deutlich angenehmer.
  • Nehmt euch viel zur Beschäftigung mit. Ich hatte mein Laptop mit Musik, Hörbüchern und Filmen und einige Bücher mit. Bei mir war es immer Tagesformabhängig, was ich machen konnte. An manchen Tagen konnte ich bspw. nicht lesen, weil mir davon schwindelig wurde, an anderen Tagen habe ich nichts anderes gemacht als zu lesen.
  • Geht offen mit der Krankheit um! Weiht Freunde und Familie ein. Klärt mit ihnen ab, was ihr an Unterstützung braucht. Oft wissen Freunde nicht, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen. Dürfen sie offen fragen wie es einem geht oder nicht? Dürfen Sie das Thema Krebs ansprechen oder ist es ein Tabuthema? Ich habe von Anfang an alle Freunde und die Familie mit ins Boot geholt und bin offen mit der Situation umgegangen. Das hatte den Vorteil, dass ich von Anfang an viel Unterstützung hatte. Und das ist einfach Gold Wert!
  • Ihr könnt ein Tagebuch führen. Mir hat es geholfen, die Erlebnisse des Tages und meine Empfindungen, Gedanken, meine Hoffnungen und meine Ängste zu verschriftlichen. Es wird immer mal Momente geben, in denen man nicht mehr will, das Gefühl hat, nicht mehr zu können und die ganzen negativen Gedanken Überhand nehmen. Gerade dann ist es wichtig, nicht weiter zu grübeln, sondern seine Sorgen zu teilen. Sprecht auch mit eurer Freundin oder Frau, der Familie oder dem besten Freund über Dinge die euch beschäftigen. Es kann helfen! Und probieren schadet ja nicht! Alternativ könnt ihr auch im Krankenhaus nach Psychoonkologischer Betreuung fragen.
  • Meidet große Menschenmengen während der Therapie! Das Immunsystem ist geschwächt. Auch der Besuch sollte immer Gesund sein! Sobald einer meiner Besucher eine laufende Nase oder einen leichten Husten hatte, wurde das Treffen abgesagt. Bei euch kann der leichte Schnupfen zu einer fiesen Infektion werden, weil das Immunsystem nicht richtig funktioniert.
  • Wenn ihr Besuch im Krankenhaus bekommt und es euch zuviel wird, dann schickt den Besuch wieder weg. Ich habe es selber erlebt, dass ich nach einer Stunde mit Besuch total fertig war und nur noch schlafen wollte.
  • Genießt die Tage zu Hause und schöpft Kraft! Nur weil man Krank ist, ist das kein Grund aufzuhören das Leben zu genießen! Ich habe während der ganzen Erkrankungszeit viele schöne Momente mit  Freunden, der Familie und meiner Frau gehabt!
  • Versucht positiv zu denken. Klar ist die Chemotherapie Gift, aber denkt daran, dass sie euch gesund macht. Mir hat es immer geholfen, wenn ich mir vorgestellt habe, dass es den Krebszellen noch viel schlechter geht als mir.
  • Sollte es aufgrund einer RLA (OP) zu einer retrograden Ejakulation kommen, gibt es Möglichkeiten diese zu therapieren. Eine Möglichkeit ist bspw. der Wirkstoff Imipramin, welcher bspw. in Tofranil enthalten ist. Tofranil ist eigentlich ein Antiperessivum, welches aber u.a. auch bewirkt, dass das Sperma nicht in die Blase zurückläuft, sondern seinen regulären Weg geht. Bei bestehendem Kinderwunsch ist das also eine Möglichkeit ohne ein Kinderwunschzentrum, welches das Sperma auch aus der Blase bzw. dem Urin gewinnen kann, auf natürlichem Wege Kinder zu bekommen.
  • Steigt für die Nachsorge schnellstmöglich auf MRT Untersuchungen des Bauchraums (Abdomen/Becken) um. CT Untersuchungen sollten nur dann gemacht werden, wenn sie zwingend notwendig sind. Das MRT bietet vergleichbar gute Bilder, arbeitet aber ohne Strahlung. Wenn die Lunge untersucht werden muss, sollte auch hier sofern nicht zwingend ein CT notwendig ist, ein Röntgen gemacht werden. MRT Untersuchungen der Lunge sind bis jetzt nur in wenigen spezialiserten Zentren mit den neuesten Geräten möglich.