Die OPs


 

Insgesamt habe ich mich zwei Operationen unterziehen müssen. Die erste OP ist quasi die Standardvorgehensweise bei Hodenkrebs. Der befallen Hoden wir über einen Schnitt in der Leistengegend entfernt. Gleichzeitig wird vom anderen Hoden eine Probe entnommen. Diese wird dann untersucht, um auszuschließen, dass der zweite Hoden ebenfalls "befallen" ist. Zudem wird auch der entnommene Hoden histologisch untersucht, um festzustellen, was für eine Tumorart vorliegt. Bei mir ergab die histologische Untersuchung einen "Mischzelltumor aus Emryonalzellkarzinom, Dottersacktumor, Chorionkarzinom und Seminomanteilen".

 

Der Schnitt in der Leiste ist nicht groß, schränkt einen aber doch ganz schön ein. Ich konnte mich die ersten Tage nur unter leichten Schmerzen fortbewegen. Man kann den Bauch nicht anspannen. Entsprechend gestaltet es sich etwas schwierig sich hinzusetzen und wieder aufzustehen. Man merkt erst nach so einer OP, wie sehr man auf bestimmte Muskelpartien angewiesen ist. Für mich war das ganze besonders fies, weil ich eigentlich Bauch- und Seitenschläfer bin. Die ersten 2 Wochen nach der OP war es mir aber leider wegen der Schmerzen nur möglich auf dem Rücken zu schlafen. Das hat bei mir dann leider auch zu fiesen Rückenschmerzen geführt... aber irgendwann ist es dann so weit, dass man sich wieder ganz normal und frei bewegen kann... und auch wieder auf dem Bauch oder der Seite liegend schlafen kann!

 

Narbe von der RLA, ca 1 Woche nach OP
Narbe von der RLA, ca 1 Woche nach OP

Die zweite Operation war die offene retroperitoneale radikale Lymphadenektomie (kurz RLA). Bei dieser Operation wird, wie auf dem Bild ersichtlich, ein Schnitt vom Brustbein bis zum Schambein gemacht, der in der Regel links um den Bauchnabel verläuft. Sinn und Zweck dieser Operation ist es, alle Lymphknoten im Bauchraum zu entfernen. Die OP muss nicht zwingend offen erfolgen. Das hängt stark vom Einzelfall ab. Grundsätzlich ist es auch möglich, die OP laparoskopisch machen zu lassen (in entsprechenden Kliniken mit Erfahrung). Mir wurde damals dringend angeraten die OP offen machen zu lassen.

Bei mir waren bereits die Lymphknoten befallen (die erste Anlaufstelle, wenn der Krebs streut). Nach dem Rezidiv sind die Lymphknoten unter der Chemo zwar kleiner geworden, aber nicht wieder vollständig in den "Normbereich" zurückgegangen. Deswegen und weil die Ärzte kein Risiko mehr eingehen wollten, wurde mir angeraten diese OP machen zu lassen.

 

Erstaunlicherweise hatte ich mit dieser Narbe deutlich weniger Probleme als mit der kleinen im Leistenbereich. Alles ist wunderbar verheilt, ich konnte 5 Tage nach der OP schon wieder nach Hause und nach 10 Tagen schon wieder auf der Seite schlafen. Auch das Aufstehen und Hinsetzen war fast angenehmer als bei dem kleinen Leistenschnitt. Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen, eine RLA in einer Klinik mit sehr viel Erfahrung machen zu lassen! Denn auch hier kann es zu fiesen Komplikationen kommen!

 

Insgesamt wurden 31 Lymphknoten entfernt. In keinem konnten aktive Krebszellen nachgewiesen werden. Mir ist in diesem Moment ein so unglaublich großer Stein vom Herzen gefallen! Ich war einfach unendlich erleichtert, dass ich es nun anscheinend hinter mir habe! Auch die Tumormarker waren noch ein klein wenig gefallen:

  • AFP 4,3 ng/ml
  • ß-HCG 0,1 mU/ml

 

Die Narbe sollte ich laut Empfehlung der Ärzte für ca 4 Monate schonen. Die ersten 3 Monate maximal 10 kg, danach max 15 kg. Das heben an sich war nicht das Problem, sondern eher ruckartige Bewegungen unter Belastung. Sollte man also gerade etwas schweres in der Hand haben und dann niesen müssen ist das eher schlecht! Von daher lieber etwas vorsichtiger sein, andernfalls kann es zu einem Narbenbruch kommen.