Nebenwirkungen



Ich finde dieses Zitat einfach total passend:

Peter Johnson, ein ehemaliger Krebspatient erklärt gegenüber Audio Online: “Ich glaube die allgemeine Bevölkerung versteht nicht, dass es nicht dasselbe ist, Krebs zu besiegen oder sich ein Bein zu brechen. Wenn das Bein erstmal verheilt ist, ist eigentlich alles weitestgehend wieder normal. Wenn der Krebs besiegt ist, sind die Nebenwirkungen enorm und man hört gar nicht auf, immer wieder neue zu entdecken”

 

Die Meisten verbinden mit einer Chemotherapie dauerhaftes Erbrechen, Übelkeit und Haarausfall. Zumindest der Haarausfall ist in fast allen Fällen da. Übelkeit und Erbrechen sind durch die Medikamente die es heute gibt ganz gut in den Griff zu bekommen. Den ein oder anderen plagen diese beiden Nebenwirkungen mehr - da ist eben jeder anders. Je nach Chemotherapie, Dosierung und Dauer der Therapie gehen mit den einzelnen Mitteln andere Nebenwirkungen einher.

 

Insgesamt betrachtet hatte ich ein paar mehr Nebenwirkungen, allerdings waren bei mir auch 9 Zyklen Chemotherapie notwendig.

 

Die wohl auffälligste Nebenwirkung die ich hatte, war der Haarausfall. Während ich bei meiner ersten Chemo (3 Zyklen PEB) "nur" die Haare auf dem Kopf verloren habe, war ich bei meinen zwei Hochdosiszyklen komplett kahl. Da war an meinem ganzen Körper kein einziges Haar mehr zu finden... hat den großen Vorteil, dass sich der Rasierklingenverschleiß sehr stark in Grenzen hält.

Bei mir ging es mit dem Haarausfall ca. 2 Wochen nach der ersten Chemogabe los. Ich konnte mir die Haare einfach büschelweise vom Kopf ziehen. Aber die Haare wachsen auch sehr schnell wieder nach... nur evtl etwas anders als erwartet. So habe ich beispielsweise vor der Chemotherapie glatte Haare gehabt, die Haare die dann nachgewachsen sind waren leicht lockig. Aber auch das gibt sich nach einiger Zeit wieder.

 

Eine weitere große Nebenwirkung waren kaputte Schleimhäute. Ich hatte leider recht häufig Halsschmerzen und ab und an Nasenbluten. Aber auch hier kann man leicht Abhilfe schaffen. Für den Mund gibt es diverse Spülmittel und Suspensionen (meist schon prophylaktisch im Krankenhaus). Für die Nase kann ich Öl basierte Nasenpflegesprays empfehlen (auch die habe ich im Krankenhaus bekommen).

 

Während der PEB Chemo hatte ich vor allem Nachts heftige Schweißausbrüche. Ich bin klatschnass aufgewacht und durfte mich erst mal umziehen und das Bett neu beziehen. Das war allerdings nur ein paar Mal während dieser Chemo. Direkt nach den Chemotherapien war ich meistens noch sehr schlapp, sodass ich bereits bei geringer körperlicher Anstrengung angefangen habe stark zu schwitzen. Aber auch das hat sich wieder gebessert.

 

Teilweise während der Chemo und teilweise auch die ersten Tage zu Hause war ich sehr schlapp und andauernd Müde. Ich konnte 3/4 des Tages schlafen und war immer noch k.o. Bei dieser Nebenwirkung handelt es sich um das so genante Fatigue-Syndrom. Ich hatte aber auch nicht bei jedem Zyklus so starke Probleme hiermit.

 

Auch die Haut hat bei mir auf die Chemotherapie reagiert. Ich habe sehr viele Pickel bekommen, einige im Gesicht, die meisten aber auf dem Rücken. Teilweise waren auch meine Arme betroffen, so dass es aussah, als hätte ich Ausschlag.

 

Zudem hatte ich während jeder Chemotherapie immer wieder mal einen Tinnitus. Allerdings war dieser nicht konstant, sondern kam mal für ca 20 Sekunden und verschwand dann erst mal wieder für kurze Zeit. Aber glücklicherweise hört das wieder komplett auf. Nach der Hochdosistherapie habe ich über einen längeren Zeitraum einen immer wieder auftretenden Tinnitus gehabt. Aber auch dieser ist mit der Zeit immer schwächer geworden, sodass ich ihn mittlerweile kaum noch wahrnehme.

 

Das für mich größte Ärgernis war die Schwerhörigkeit, die sich durch das Platin gebildet hatte. Zu Beginn hatte ich erhebliche Probleme bei vielen Umgebungsgeräuschen einem Gespräch folgen zu können. Mittlerweile hat sich das aber auch wieder erheblich gebessert. Lediglich sehr hohe Frequenzen nehme ich teilweise nur sehr leise wahr.

 

Während meiner 4 Zyklen TIP bekam ich dann an den Armen Hautverfärbungen. Diese sollen aber nach Aussage der Ärzte wieder verschwinden. Nach knapp einem halben Jahr sind die Verfärbungen verschwunden. Da haben die Ärzte also Recht behalten.

 

Die Chemotherapie kann mit der ganzen Begleitmedikation auch dazu führen, dass Wassereinlagerungen im Körper entstehen. Dagegen bekommt man dann Tabletten zum entwässern... was zur Folge hat, dass man ca alle 30 Minuten auf Toilette muss. Die Wassereinlagerungen und bestimmte Medikamente, wie Kortison, die man nebenbei bekommt führen dazu, dass man allgemein aufgedunsen ist. So hatte ich beispielsweise ein ziemliche rundes Mondgesicht. Aber auch das geht nach ein paar Wochen ohne Chemo wieder weg.

 

Ein weiteres Ärgernis war ein Thrombus im rechten Vorhof. Dieser hatte sich vermutlich wegen der dauerhaft liegenden Piccline (Venenkatheter, der vom Oberarm zum Herzen führt) gebildet. Um zu verhindern, dass der Thrombus größer wird habe ich dann gerinnungshemmende Medikamente bekommen. Der Thrombus an sich wird dann entweder irgendwann vom Körper vollständig abgebaut oder ist so stabil, dass er sich nicht mehr löst und an Ort und Stelle verbleibt und somit auch keinen Schaden mehr anrichten kann. Um da gleich vorzubeugen wird in manchen Krankenhäusern jeden Tag vorbeugend ein Blutgerinnungsmittel gespritzt.

 

Die nächste Nebenwirkung mit der ich es dann zu tun bekam, war die Empfindungsstörung. Ich fand es nicht sonderlich schlimm, nur etwas unangenehm. Bei mir waren die Fingerspitzen und der vordere Teil der Füße wie taub. Es fühlt sich quasi so an, als seien die Gliedmaßen ein wenig eingeschlafen... aber es tut nicht weh... ist eben nur ein merkwürdiges Gefühl. Auch das wird mit der Zeit besser, gerade wenn man ein bisschen mit Vitaminen (B6 und B12) und etwas Sensoriktraining nachhilft. Gerade bei einer Reha wird bei entsprechender Spezialisierung auf Krebserkrankungen oftmals ein Sensoriktraining angeboten, das sollte man auf jeden Fall mal ausprobieren!

 

Während meiner Hochdosistherapie habe ich zu allem Überfluss dann eine Magenschleimhautentzündung bekommen. Diese hat in Kombination mit der Chemotherapie dann dafür gesorgt, dass ich nichts bei mir behalten konnte. Deswegen musste ich parenteral ernährt werden (d.h. Kalorien und Vitamine in flüssiger Form über die Vene... lecker Flüssigschnitzel).

 

Eine weitere Nebenwirkung die bei mir während der Hochdosistherapie auftrat war Fieber. Durch die Chemo ist das Immunsystem stark geschwächt, sodass Infekte sehr gefährlich sein können. Entsprechend bekommt man sofort Breitbandantibiotika über die Vene.

 

Keine wirkliche "Nebenwirkung", aber eben eine Folge der RLA ist der Verlust der Ejakulationsfähigkeit. Durch die Operation wurden Nerven beschädigt, was bei der offenen Variante leider sehr häufig passiert, sodass es zur retrograden Ejakulation kommt - soll heißen, das Ejakulat wird nicht herausgeschleudert, wie eigentlich üblich, sondern läuft in die Blase. Dem lässt sich aber mit Tofranil entgegenwirken. Eigentlich ist Tofranil ein Anti-Depressivum, welches aber auch bewirkt, dass die retrograde Ejakulation aufgehoben wird. Allerdings sollte man es nach Möglichkeit nur bei bestehendem Kinderwunsch einnehmen.