Fachbegriffe erklärt


Oft bekommt man bei der Diagnose viele Fachbegriffe um die Ohren gehauen, mit denen man nicht wirklich viel anfangen kann. Oder man bekommt im späteren Verlauf Arztbriefe in die Hand gedrückt, in denen auch viel unverständliches Fachchinesisch steht. Im Zweifel solltet ihr aber immer Rücksprache mit dem Arzt eures Vertrauens halten, wenn ihr euch unsicher seid. Die im folgenden erläuterten Begrifflichkeiten sollen euch nur einen ersten Anhalt bieten, was was ist.

 

Das "Staging":

Aufgrund aller Befunde wird der Hodenkrebs in ein bestimmtes Stadium eingeteilt. Das geschieht meist nach der sogenannten UICC TNM Klassifikation in ein Stadium eingeordnet. Bei mir sah das ganze dann so aus: pT2 cN3 M0 R0 S1 "good prognosis".

 

pT: Primärtumor

  • beschreibt die Tumorausdehnung
  • pT1: Tumor ist begrenzt auf Hoden/Nebenhoden ohne Invasion
  • pT2: Tumor ist begrenzt auf Hoden/Nebenhoden mit vaskulärer/lymphatischer Invasion
  • pT3: Tumor erfasst Samenstrang mit/ohne zusätzliche vaskuläre/lymphatische Invasion
  • pT4: Tumor infiltriert den Hodensack mit/ohne zusätzliche vaskuläre/lymphatische Invasion

N: Regionale Lymphknoten

  • beschreibt ob Lymphknoten befallen sind
  • N0: keine regionalen Lymphknotenmetastasen
  • N1: Lymphknotenmetastase/n mit maximal 2 cm Durchmesser
  • N2: Lymphknotenmetastase/n mit 2 - 5 cm Durchmesser
  • N3: Lymphknotenmetastase über 5 cm Durchmesser

M: Fernmetastasen

  • beschreibt ob Fernmetastasen vorhanden sind (Lunge, andere Organe, Knochen Hirn)
  • M0: keine Fernmetastasen
  • M1: Fernmetastasen sind vorhanden
  • M1a: Nicht regionale Lymphknotenmetastasen (also woanders als im Bauchraum) oder Metastasen in der Lunge (pulmonale Metastasen)
  • M1b: Fernmetastasen, die nicht in die vorigen Kategorien einzuordnen sind (Knochen, andere Organe, Hirn)

R: Resttumorgewebe

  • beschreibt, ob nach einer operativen Behandlung noch Tumorreste übrig geblieben sind, also bspw. nach einer Teilentfernung des Hodens
  • R0: kein Resttumor
  • R1: mikroskopische Tumorreste
  • R2: Resttumor mit bloßem Auge erkennbar (während OP, auf Röntgen o.ä.)

S: Serumtumormarker

  • S0: Tumormarker im Normbereich
  • S1: LDH <1.5 der Norm, beta-hCG (mIu/mL) <5000, AFP (ng/mL) <1000
  • S2: LDH 1.5-10 der Norm, beta-hCG (mIu/mL) 5000-50,000, AFP (ng/mL) 1000-10,000 (hier reicht es wenn einer der Werte im angegebenen Bereich liegt)
  • S3: LDH >10 der Norm, beta-hCG (mIu/mL) >50,000, AFP (ng/mL) >10,000 (wie bei S2 ein Wert ausreichend)

X: sollte statt einer Zahl ein X hinter einem der o.g. Buchstaben stehen, dann heißt das, dass hierzu keine näheren Aussagen gemacht werden können.

 


Neben dieser Klassifizierung gibt es noch die International Germ Cell Cancer Collaborative Group (IGCCCG). Diese wir bei metastasiertem Hodenkrebs angewandt und teilt ihn in die Kategorien von „good“, „intermediate“ und „poor“ Prognosis ein (also "gute", "mittlere" und "schlechte" Prognose).

 

Good Prognosis:

  • beim Seminom: keine Metastasen außerhalb der Lunge, unabhängig von der Höhe der Tumormarker
  • beim Nicht-Seminom: Marker S0-S1 und keine Metastasen außerhalb der Lunge

Intermediate Prognosis:

  • beim Seminom: vorhandensein von Metastasen außerhalb der Lunge (also Leber, Knochen usw.) unabhängig von der Höhe der Marker
  • bem Nicht-Seminom: Marker S2 und keine Metastasen außerhalb der Lunge

Poor Prognosis:

  • beim Seminom: kommt eigentlich nicht vor
  • beim Nicht-Seminom: Marker S3 oder Metastasen außerhalb der Lunge (Leber, Knochen usw.)

 

Das ganze wird dann entsprechend der Befunde und Klassifizierungen in insgesamt 3 Stadien eingeteilt.


Stadium I:

  • I: keine Metastasen nachweisbar
  • IA: pT1, N0, M0, S0
  • IB: pT2–4, N0, M0, S0
  • IS: pT1–4, N0, M0, S1–3

Stadium II:

  • IIA: pT1–4, N1, M0, S0–1
  • IIB: pT1–4, N2, M0, S0–1
  • IIC: pT1–4, N3, M0, S0–1

Stadium III:

  • IIIA: pT1–4, N1–3, M1a, S0–1
  • IIIB: pT1–4, N1–3, M0–1a, S2
  • IIIC: pT1–4, N1–3, M0–1b, S3

Auch in weit fortgeschrittenen Stadien bestehen noch relativ gute Heilungschancen! 

 

RLA:

Die Retroperitoneale Lymphadenektomie ist die operative Entfernung der Lymphknoten aus dem hinteren Bauchraum (Retroperitoneum). Das ganze kann je nach Lage der Lymphknoten und vorhergegangener Therapie offen oder laparoskopisch gemacht werden. Die OP ist immer dann notwendig, wenn Tumorreste entfernt werden müssen.

 

Tumorart:

Hodentumore sind sogenannte Keimzelltumoren. Grundsätzlich wird zwischen Seminomen und Nicht-Seminomen unterschieden. Beide kommen etwa gleichoft vor. Die Nicht-Seminome werden zudem in weitere Unterformen unterteilt. Die Unterscheidung der Tumorart ist in erster Linie für die Behandlung wichtig. Nicht-Seminome sprechen bspw. schlechter auf Bestrahlung an als Seminome, dafür wirkt die Chemo hier sehr gut. Neben den "klassischen" Keimzelltumoren gibt es auch noch ein paar spezielle Hodentumore, die sich nicht aus den Keimzellen entwickeln und die sehr selten sind (bspw. Sertoli-Zelltumoren oder Leydig-Zelltumoren).

 

Seminome:

  • produzieren in seltenen Fällen beta-hCG
  • sind ansonsten Markernegativ (wird AFP festgestellt, kann ein Seminom i.d.R. ausgeschlossen werden)
  • wächst meist langsam und besitzt nur i.d.R. nur ein geringes Metastasierungspotential

Nicht-Seminome:

  • Embyonalzellkarzinom: können AFP und beta-hCG positiv sein
  • Dottersacktumor: AFP ist erhöht, beta-hCG ist nicht erhöht
  • Teratom: kann sowohl gut als auch bösartig sein, sind oft Chemoresistent und müssen operativ entfernt werden
  • Chorionkarzinom: beta-hCG ist immer erhört, AFP kann erhöht sein; aggressive Tumorform, die bei kleinem Primärtumor bereits Metastasen bildet
  • gemischter Keimzelltumor: hat Anteile des Seminoms und des Nicht-Seminoms, wobei sich die Therapie nach den Richtlinien für Nicht-Seminome richtet

TIN:

Die testikuläre intraepitheliale Neoplasie (TIN) ist eine Vorstufe von Hodenkrebs. Diese kann bei einer Probenentnahme vom Gegenhoden (Biopsie) festgestellt werden.

 

Rezidiv:

Das Rezidiv ist wohl das größte Unwort für alle Krebspatienten. Ein Rezidiv ist das wiederauftreten der Krebserkrankung, also ein Rückfall, nach erfolgreicher Therapie bzw. Remission. Trotz eines Rezidivs bestehen immer noch Heilungschancen.

 

5-Jahres-Überlebensrate:

Wer sich etwas mit dem Thema auseinandersetzt wird diverse Wahrscheinlichkeitsangaben finden, die sich nach dem Stadium und den einzelnen Befunden richten. Diese sind immer auf 5 Jahre angegeben. Das hat etwas mit der sogenannten "Heilungsbewährung" zu tun. Nach Therapieende befindet man sich in dieser 5 jährigen Phase, in der ein gewisses Risiko für ein Rezidiv besteht. Hat man die 5 Jahre "erfolgreich" hinter sich gebracht, gilt man als offiziell gesund. Je nach Stadium und Tumorart kann die Heilungsbewährung auch kürzer ausfallen (2-3 Jahre).