Die Diagnose wird gestellt


Ich hatte seit ca einer Woche leichte Schmerzen im linken Hoden. Eigentlich gehöre ich zu der Sorte Mensch, die alles aussitzt - das Meiste geht ja von alleine wieder weg - und nur zum Arzt geht, wenn etwas hartnäckig oder wirklich fies ist. Ich war auf jeden Fall beunruhigt, da die Schmerzen immer unangenehmer wurden. Also beschloss ich, mich kurzerhand ins Krankenhaus zu begeben (es war Wochenende und bereits zu recht fortgeshrittener Stunde). Der diensthabende Urologe war anfangs sehr wortkarg und schon fast unfreundlich... aber das änderte sich dann recht schnell. Nachdem er mich abgetastet hatte war er auf einmal sehr wach und ernst. Auf dem folgenden Ultraschall konnte ich dann sehen, dass da etwas war, was da nicht hingehörte. Der Arzt zog dann noch den Oberarzt hinzu, der mich auch noch mal untersuchte und leider zum selben Schluss kam... Diagnose Hodenkrebs!

 

Das war erst mal ein heftiger Schlag! Die Ärzte klärten mich dann über das weitere Prozedere auf... OP am kommenden Montag, dann CT um festzustellen, ob Metastasen vorhanden sind... und dann je nachdem, wie die Befunde lauten eine Chemotherapie, Bestrahlung oder gar nichts. Ich hoffte natürlich auf letzteres. Mir kam das ganze vor wie in einem schlechten Traum. Ich war schlichtweg sprachlos. Gerade in dem Alter rechnet man ganz sicher nicht damit, an Krebs erkrankt zu sein. Zumal ich mich ansonsten ja top fit fühlte. Die Ärzte meinten dann noch zu mir, dass Hodenkrebs ganz wunderbar zu behandeln sei, dei Heilungschancen sehr gut seien und, wenn man sich schon eine Krebsart aussuchen könne, man sich für Hodenkrebs entscheiden würde. Das beruhigte mich natürlich erst mal... auch wenn es bei mir dann alles andere als glatt lief! Aber dazu später.

 

Die OP fand dann auch bald statt und kurz nach der OP kam dann das CT... und damit gleich der nächste Tiefschlag. Mehrere vergrößerte Lymphknoten im Bauchraum... der Krebs hatte sich also schon ausgebreitet. Ich war wieder fassungslos... innerhalb weniger Tage gleich mehrere Tiefschläge. Mein ganzes Leben mal kurz auf den Kopf gestellt. Der zweite Hoden war dankenswerterweise nicht befallen - wenigstens etwas! Die histologische Untersuchung ergab dann einen Mischtumor, bestehend aus Embryonalzellkarzinom, Dottersacktumor, Chorionkarzinom und Seminom, welcher markerpositiv war (d.h. die Tumormarker im Blut waren erhöht). Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sahen die Werte wie folgt aus:

  • LDH 454 U/I
  • AFP 22,1 ng/ml
  • ß-HCG 75,02 mlU/I

 

Somit wurde ich nach IGCCCG-Klassifikation in das primäre Tumorstadium pT2, cN3 M0, R0, S1 "good prognosis" eingeordnet. Aus den Befunden ergab sich dann der nächste Schritt für mich: Chemotherapie. Mir kamen da gleich irgendwelche horrorvorstellungen von ständigem Erbrechen und ähnlichem in den Kopf. Aber glücklicherweise hat die Medizin in den letzten Jahren da einige Sprünge getan und die Nebenwirkungen sind ganz gut auszuhalten. Ich war die ersten Tage natürlich erst mal am Boden zerstört... aber irgendwann kommt dann der Punkt an dem man sich entscheiden muss: alles aufgeben oder kämpfen. Ich habe mich für letzteres entschieden, auch wenn es oft schwer war. Aber es hat sich gelohnt... und ich hätte mir auch nie verziehen, wenn ich nicht alles mögliche getan hätte, wieder auf die Beine zu kommen. Also ging es los mit drei Zyklen Chemotherapie PEB.