Hochdosischemo


 Die Hochdosistherapie ist, wie der Name schon sagt, sehr hoch dosiert. Deswegen ist es auch notwendig, Stammzellen vom jeweiligen Patienten zu entnehmen. Das ist ein an und für sich recht langweiliger Vorgang. Zuerst muss dafür gesorgt werden, dass genug Stammzellen im Blut sind. Das wir durch eine sogenannte "Mobilisierungschemotherapie" erreicht. Ich habe über 24 Studen Etoposid bekommen. Danach muss man sich für ein paar Tage Spritzen geben, die eine Ausschüttung der Stammezellen aus dem Knochenmark ins Blut fördern. Wenn dann genug Stammzellen im Blut sind, bekommt man einen ähnlichen Zugang wie den ZVK, nur dass die Schläuche deutlich größer sind (s. Bild). Danach wird man an eine Maschine angeschlossen, die über ca 5 Stunden das Blut filtert (das komplette Blut im Körper läuft also mehrmals durch die Maschine). Nach dem Sammelvorgang wird dann kontrolliert, ob genug Stammzellen gesammelt wurden. Falls ja, dann war es das, falls nein, dann wird den nächsten Tag erneut gesammelt. Bei mir konnten bereits am ersten Tag genug Stammzellen gewonnen werden.

 Danach ging es dann erst mal wieder für ein paar Tage nach Hause, da die Stammzellen aufbereitet werden müssen. Zum Zeitpunkt der Stammzellsammlung war der Tumormarker ß-HCG auf 1456 IU/I angestiegen, was bei mir natülich dazu führte, dass ich mir starke Sorgen machte. Ich bekam Angst, dass sich überall neue Tumore bilden und es zu spät für die HD Therapie sein könnte.

 

Bei der Hochdosistherapie habe ich über drei Tage eine Kombination aus Carboplatin und Etoposid bekommen. Danach heißt es dann warten. Denn diese Therapie macht so ziemlich alle Zellen kaputt. Die Blutwerte fallen in den Keller und brauchen Zeit um sich zu erholen. Am 5. Tag bekommt man dann die Stammzellen wieder verabreicht. Das ganze ist relativ unspektakulär, auch wenn recht viel Wirbel darum gemacht wird. Der Beutel mit den Stammzellen wird geliefert (tiefgefroren) und kurz vor der Gabe dann aufgetaut. Ich wurde dann an einen Überwachungsmonitor angeschlossen und los gings. Das einzige was man wirklich merkt, ist ein Knoblauchgeschmack im Mund, weshalb man auch Bonbons zum Lutschen bekommt. Danach erholen sich die Blutwerte langsam. Aber das dauert ca. 2 Wochen. Zusammengefasst also noch mal der zeitliche Ablauf:

 

  • Tag 1 bis 3: Je ein Beutel Carboplatin und Etoposid
  • Tag 5: Stammzellgabe

 

Bei mir dauerte der Aufenthalt jeweils ca. 3 Wochen. In diesen drei Wochen war ich in einem Einzelzimmer untergebracht, welches mit einem Luftfilter ausgestattet war. In dieser Zeit durfte ich weder die Station verlassen, noch das Fenster aufmachen, da die Ansteckungsgefahr zu groß ist. Das Immunsystem ist in dieser Zeit gar nicht mehr vorhanden. Zudem bekommt man nur Keimfreie Kost. Das heißt, keine frische Wurst, nichts was irgendwie Keimbehaftet sein könnte. Mein Besuch musste immer einen Mundschutz tragen und sich gründlich desinfizieren.

 

Die Hochdosistherapie war mit Abstand am Anstrengendsten. Ich hatte heftig mit Übelkeit zu kämpfen und musste mich leider auch ein paar mal übergeben. Dazu kam dann noch eine Magenschleimhautentzündung, die die Übelkeit nur noch verstärkt hat. Ich hatte sehr häufig einen Tinitus und habe lange schlechter gehört. Aber auch hier gilt, dass jeder anders auf die Therapie reagiert. Einer meiner Mitpatienten hatte fast gar keine Probleme.

Zudem sind mir dieses mal alle Haare ausgefallen... wirklich alle! Ich hatte nicht mal mehr Wimpern. Aber all das geht ja auch wieder vorüber und die Haare wachsen wieder nach. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, denn gerade wenn zu  der mentalen Belastung auch noch die körperlichen Nebenwirkungen kommen, ist es manchmal schwer positiv zu bleiben. Dann möchte man am Liebsten alles hinschmeißen und einfach seine Ruhe haben. Deswegen immer dran denken, dass es wieder Berg auf geht!

 

Zu Beginn der Hochdosistherapie lagen meine Tumormarker bei:

  • LDH 501 U/I
  • AFP 30,8 µg/I
  • ß-HCG 815 IU/I (der Wert war also nach Stammzellsammlung wieder etwas gefallen)

 

Nach dem 1. Zyklus konnte schon ein deutlicher Erfolg vermeldet werden:

  • LDH 329 U/I
  • AFP 17 µg/I
  • ß-HCG 5,9 IU/I

 

Das war für mich natürlich ein großer Erfolg, weil ich vor Augen geführt bekam, dass die Therapie wirkt und ich nicht sinnlos leide.

 

Nach Abschluss des 2. Zyklus waren alle Tumormarker wieder im Normbereich:

  • LDH 228 U/I
  • AFP 5,2 µg/I
  • ß-HCG 0,2 IU/I